Posts mit dem Tag »Politik und Affekt«

Das politische Strafverfahren als Affekt-Regulations-Maschine

Gebäude des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag (Bild: Jonas Bens).

Täglich werden überall auf der Welt zahllose Strafprozesse verhandelt. Die allermeisten davon finden dabei keinerlei öffentliche Beachtung. Die Besucherstühle der Gerichtsäle bleiben meistens leer. Immer wieder allerdings kommt es vor, dass ein Strafverfahren zum medialen Großereignis wird. Solche Strafprozesse sind aufregend, werden von leidenschaftlichen Debatten und Diskussionen begleitet und bewegen die Massen. Das Gericht erscheint … weiterlesen

Von „Abendland“, „Islamisierung“ und „Ignoranz“: Wie der rechtspopulistische Mobilisierungsdiskurs Angst erzeugt

„Wir brauchen die Ängstlichen, um Mehrheiten zu bewegen.“ Der Satz stammt aus der Parteitagsrede der ehemaligen AfD-Politikerin Frauke Petry vom Herbst 2015. Mittlerweile sitzt die Alternative für Deutschland als drittstärkste Partei im Bundestag. Was verrät uns diese Aussage also über das Verhältnis von Politik und Emotionen? Zum einen legt das Zitat nahe, dass die prominente … weiterlesen

Gibt es einen monolingualen Affekt? Und wie kann man ihn provozieren? Tomer Gardis Lesung beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2016

Sprache und Affekt sind eng miteinander verbunden und aufeinander bezogen. Dass es ein Gefühl für die Sprache gibt, wie es die Rede vom Sprachgefühl anzeigt, wird besonders deutlich in der Wahrnehmung von ‚Fehlern‘: Sprecher*innen merken sehr schnell, wenn etwas nicht stimmt und sozusagen im Affekt verbessern sie sich selbst oder andere. Hier deutete sich schon eine … weiterlesen

Engaging the Elsewhere – Affective politics and political aesthetics across Muslim and Christian life-worlds: Workshop Report

How do people, things, and (ritual or devotional) spaces relate to the Elsewhere, and how are they in turn shaped by the Elsewhere in their everyday doings and being? What is our conceptual understanding of the Elsewhere and how can it be researched? How do affective politics and political aesthetics constitute the mutual relationship between … weiterlesen

Das Theater als affektpolitische Anstalt? Zum Spiel mit migrantischen Identitätszuschreibungen in „Verrücktes Blut“

Eine zentrale These des Sonderforschungsbereichs 1171 ist, dass Affective Societies kein reines Gegenwartsphänomen sind. Wie der vorherige Beitrag zur Frage von Empörung als politischer Emotion zu zeigen versucht hat, werden Gesellschaften seit jeher fundamental von affektiven Dynamiken geprägt, die sich erst im historischen Verlauf formieren und sukzessive ihre Gestalt verändern können. Dies zeigt sich exemplarisch an den aktuellen medialen … weiterlesen

Ist Empörung eine politische Emotion? Eine Frage der Gefühlsbildung

Als treibende Kraft von Skandalen spielt Empörung immer dann eine wichtige Rolle, wenn individuelles Fehlverhalten oder gesellschaftliche Missstände aller Art öffentlich exponiert, verhandelt und damit zum Politikum werden. Politische Protestbewegungen werden ebenfalls regelmäßig auf Empörung zurückgeführt oder gar damit identifiziert – so etwa im Fall jener Protestbewegung in Spanien 2011/2012, für die sich die Bezeichnung … weiterlesen

Affekt, Emotionen und das Politische – Eine Themenreihe

Welche Rolle spielen Affekt und Emotionen für das Politische? Diese Frage ist der Ausgangspunkt einer Arbeitsgruppe des Sonderforschungsbereichs Affective Societies. Darin arbeiten Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Geistes- und Sozialwissenschaften – aus Sozial- und Kulturanthropologie, Filmwissenschaften, Literaturwissenschaften, Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Theaterwissenschaften –  zusammen. In dieser interdisziplinären Gruppe vergleichen wir unsere Forschungserfahrungen und fragen danach, wo das … weiterlesen

Die affektive Macht des „Martyriums“. Was wir von der Debatte um eine Kunstinstallation lernen können

„In Berlin-Kreuzberg werden Massenmörder zu Märtyrern erklärt,“ titelte am 29. November 2017 die Welt. Und weiter: „Eine Kunstinstallation im Berliner Bezirk Kreuzberg präsentiert islamistische Terroristen als Märtyrer – und hebt sie auf eine Stufe mit Martin Luther King und anderen Widerstandskämpfern.“ Wie bitte? Auch der BILD-Autor Gunnar Schupelius gibt sich „fassungslos“ und verkündet: „In Kreuzberg … weiterlesen

Trump und der Sexismus – Für eine neue Politik der Solidarisierung. Teil II

© Michael Vadon, CC BY 2.0, https://www.flickr.com/photos/80038275@N00/31563869231, cropped version

Dezember 2016.[1] Im ersten Teil dieses Essays hat der Autor vorgeschlagen, Trumps Wahlerfolg nicht einfach durch Protestwahlverhalten zu erklären, sondern durch eine positive Identifikation von Wähler*innen mit Trump: Einer Identifikation auf Grundlage gemeinsamer Demütigungserfahrungen, in der die politischen und persönlichen Ächtungen, die Trumps Kampagne begleiteten, mit der sozioökonomischen Gewalt- und Ohnmachtserfahrung bestimmter WählerInnen der Unter- … weiterlesen